Was, wenn Kinder in der Kita Diskriminierung erfahren? Meist wenden sie sich an ihre Eltern oder Bezugspersonen – und diese schildern dann die Situation. Dabei ist es oftmals wichtig, die Kinder selbst zu Wort kommen zu lassen. Ihnen Fragen zu stellen, offen zuzuhören und ihre Perspektive kennenzulernen. Wie das geht? Das zeigt diese Broschüre zum Thema »Antidiskriminierungsberatung von Kindern«.
Wenn bereits kleine Kita-Kinder schmerzhafte Erfahrungen mit Diskriminierung machen, geben oft ihre Eltern oder andere Bezugspersonen ihre Erlebnisse weiter. Doch oft ist das nur eine Interpretation der Erwachsenen. Reicht das?
Das Modellprojekt »Kinder im Fokus – Antidiskriminierungsberatung aus der Kinderperspektive“ ist dieser Frage nachgegangen. Vom Juni 2023 bis Januar 2026 hat sie mit Menschen aus der Praxis erforscht, wie sich die Perspektive von Kindern nachhaltig in der Antidiskriminierungsberatung verankert lässt. Das Ergebnis war unter anderem auch die Broschüre »Kinder im Fokus. Wie Antidiskriminierung aus der Kinderperspektive gelingen kann« von KiDs (Kinder vor Diskriminierung schützen!). Sie kann als PDF kostenlos heruntergeladen werden und widmet sich folgenden Fragen:
- Welches Beratungssetting braucht es?
- Wie sollte der Beratungsablauf aussehen?
- Was ist eine professionelle Haltung – je nach Alter?
- Wie steht es mit Parteilichkeit und Vertraulichkeit in der Kinderberatung?
- Wie funktioniert die Auftragsklärung im Beratungsdreieck aus Kind, Eltern und Bezugspersonen?
- Was sagt die psychologische Perspektive auf Diskriminierungserfahrungen von Kindern?
- Und wie gelingt die Einführung von Kinderberatung in die Beratungsstellen?
Kinder erleben verschiedene Formen von Diskriminierung
Die Autorin der Broschüre Maryam Haschemi Yekani stellt fest, dass Kinder unterschiedliche Formen von Diskriminierung in Kitas und Schulen erleben.
- Auf individueller Ebene erleben Kinder zum Beispiel, wie andere Kinder oder auch Erwachsene diskriminierend über sie, ihre Familien oder ihre Kultur sprechen, sie diskriminierend beleidigen oder sich diskriminierend verhalten – etwa auch in Ausschlusssituationen.
- Auf der strukturelle Ebene können Kinder Diskriminierung erfahren. Etwa durch die Regeln in der Kita, die Tagesabläufe, die Strukturen der Elternzusammenarbeit oder auch die Raumgestaltung und Angebote, die nicht alle Kinder gleichermaßen in Anspruch nehmen können etc.
- Auf diskursiver Ebene spielt zum Beispiel die Auswahl von Fachliteratur, Redewendungen, Kinderbüchern, Liedern, Bilder und vieles mehr eine Rolle. Die Wahl entscheidet nämlich darüber, wann Menschen in einer Gruppe als »normal« und »dazu gehörend« empfunden werden.
Natürlich sollte das Kind nur in das Beratungsgespräch eingebunden werden, wenn es die Diskriminierung selbst bewusst erlebt hat. Gab es diskriminierende Vorfälle, die dem Kind (noch) nicht bewusst sind, sollte es damit nicht belastet werden. Doch in der Praxis hat sich gezeigt, dass sich viele Berater*innen scheuen, ins Gespräch mit Kindern zu kommen. Sie haben Angst, etwas Falsches zu sagen. Sie machen sich Sorge, dass sie Erklärungen nicht altersgerecht formulieren können. Oder es fehlt ihnen schlicht die Routine in der Gesprächsführung mit jungen Kindern. Doch sobald ein Kind bewusst Diskriminierung erlebt, ist es sehr wichtig, dass auch seine Perspektive gehört wird und es die Erfahrungen im Gespräch verarbeiten kann.
Wie die Antidiskriminierungsberatung von Kindern gelingt
Die Broschüre zeigt im folgenden, wie sich Beratungsstellen für die Antidiskriminierungsberatung von Kindern aufstellen können.
- Wie kann das Beratungsumfeld modular gestaltet sein, sodass es sich an unterschiedliche Altersstufen von Kindern anpassen lässt?
- Welche zeitlichen Strukturen sind notwendig?
- Wie sehen ein idealer Beratungsablauf und eine altersgerechte Gesprächsführung aus?
- Wie können sich die Beratenden zwischen der Perspektive von Eltern und Kind gut aufstellen, ohne die Parteilichkeit für die diskriminierte Person (also das Kind) aufzugeben? Vor allem, wenn das Kind aufgrund seines Alters das Ausmaß, die Folgen und notwendigen Interventionen nicht realistisch einschätzen kann? Gleiches gilt für die Vertraulichkeit.
- Auch die Auftragsklärung ist wichtig: Welche Aufträge kann die Beratungsstelle erfüllen – und welche nicht? »Eltern und Bezugspersonen haben eigene Vorstellungen, wie ein Diskriminierungsvorfall gelöst werden sollte. Sie bringen sowohl ihre eigenen Wünsche ein als auch Annahmen darüber, was aus ihrer Sicht gut für ihr Kind wäre. Die Kinder hingegen haben häufig eigene Vorstellungen, wie sie mit der Situation umgehen möchten. Ihre Sicht auf den Vorfall und auf mögliche Lösungen unterscheidet sich oft von der der Erwachsenen«, schreibt die Autorin. Und beschreibt dann, wie Beratungsstellen damit gut umgehen können.
Fazit: Kinder im Fokus – Antidiskriminierungsberatung von Kindern in der Kita
Das Thema ist wichtig – auch wenn sich die Broschüre nicht direkt an Pädagog*innen in Kitas wendet, so enthält sie doch wichtige Informationen und Hintergrundwissen, dass ihnen helfen kann, in schwierigen Situationen die richtige Beratung zu wählen. Denn, so schreibt Maryam Haschemi Yekani, Diskriminierungserfahrungen können tiefgreifende Auswirkungen haben: »Sie können die Entwicklung von Kindern negativ beeinflussen, das Selbstwertgefühl schwächen und die Identitätsentwicklung erschweren. Es ist wichtig zu wissen, dass diskriminierungsbedingter Stress bei Kindern unterschiedliche Reaktionen auslöst und langfristige psychische Folgen haben kann.«
Nicht nur für Antidiskriminierungsberatende, sondern auch für pädagogische Fachkräfte in den Kitas ist es wichtig, diese Belastungen erkennen und einordnen zu können. Nur so können sie Kinder, Eltern und Bezugspersonen gut begleiten (ohne therapeutisch tätig zu werden). »Dieses Wissen hilft, die eigenen Kompetenzen klar abzugrenzen und die Ratsuchenden bei Bedarf an geeignete Fachstellen weiter zu verweisen«, so Maryam Haschemi Yekani.

Details
Titel: Kinder im Fokus.
Wie Antidiskriminierungsberatung aus der
Kinderperspektive gelingen kann
Autorin: Maryam Haschemi Yekani
Redaktion: Nuran Yiğit
Seiten: 36
Sprache: Deutsch
Preis: kostenlos
Interessiert an Antirassismus in der Kita?
Zum Globalen Lernen in der Kita gehört auch dazu, diskriminierungssensibel zu sein und Kinder vor Diskriminierungserfahrung zu schützen bzw. offen mit solchen Erfahrungen umzugehen. Hier findest du weitere Beiträge von Kita-Global, die sich mit dem Themenfeld beschäftigen:
- Vorurteilen und Diskriminierungen in der Kita begegnen: Ein Titel des Herder Verlags – https://kita-global.de/vorurteilen-und-diskriminierungen-in-der-kita-begegnen/
- Das Institut Kinderwelten: Vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung: Ein Bericht über das Institut im Magazin – https://kita-global.de/institut-kinderwelten/
- Die rassismuskritische Checkliste: Ein Material von Globales Lernen Harburg – https://kita-global.de/rassismuskritische-checkliste/


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