Die Menschen im Globalen Süden haben eine lange Tradition im Umgang mit Hitze. Das Essen, die Kleidung, die Kultur, sich im kühlen Schatten von Bäumen zu versammeln – das und vieles mehr kennen die Menschen des Globalen Südens seit Jahrhunderten. Für Pädagog:innen in Kitas bedeutet das: gemeinsam mit den Kindern können sie kluge Strategien zum Umgang mit Hitze lernen – und gleichzeitig das Leben der Menschen in anderen Erdteilen erkunden und wertschätzen. Hier sind unsere Tipps und Ideen.
1. Mache Wasserspiele zur globalen Erfahrung
Wasser verbindet alles Lebende auf unserem Planeten. Wir Menschen bestehen zu rund 80 Prozent aus Wasser und sind darüber mit dem globalen Wasserkreislauf verbunden. An heißen Tagen ist das kühle Nass besonders erfrischend. Auch für Kinder. In vielen Ländern des Globalen Südens sind öffentliche Brunnen und Innenhöfe mit Springbrunnen Orte der Abkühlung und Begegnung. Warum das nicht in der Kita nachahmen? Im Wasser zu spielen ist für die meisten Kids ohnehin ein absolutes Highlight. Warum dann nicht den Kindern erzählen, das es die Kinder auf anderen Kontinenten genauso machen? Vielleicht findest du ja auch eine schöne Geschichte dazu, die du erzählen kannst.
2. Zeige, dass Entschleunigung wertvoll ist
In heißen Ländern ist Langsamkeit keine Bequemlichkeit. Es ist vernünftig, denn so passen sich die Menschen an ihre Umgebung an. Es ist ein guter Umgang mit Hitze. Gleiches gilt für die Kita: Drossele an Hitzetagen das Tempo, baue gemütliche Ruhephasen ein und erkläre den Kindern: „In Griechenland oder Spanien machen die Menschen mittags auch eine Pause, weil es einfach zu heiss ist“. So lernen die Kinder, dass Gemächlichkeit ein legitimer Teil des Lebens ist – kein Zeichen von Faulheit. Das ist vielleicht die wertvollste Lektion des Globalen Lernens: Es gibt nicht den einen vermeintlich richtigen Weg. Es gibt viele Möglichkeiten, um sinnvoll mit Lebensbedingungen umzugehen.
3. Passe den Tagesrhythmus der Hitze an
Zur Kunst der Langsamkeit gehört auch, den Tag anders aufzuteilen. In vielen heissen Ländern beginnen die Menschen ihren Tag schon vor dem Aufgang der Sonne. Dafür ruhen sie in der Mittagszeit, wenn es am heißesten ist. Du könntest das auf deine Kita übertragen, indem du dir mit den Kindern ansiehst, wie es Menschen in anderen Ländern machen – und dann anspruchsvollere Aktivitäten, wie Basteln oder Bewegungsspiele, an Hitzetagen in den frühen Morgen verlegst. Über Mittag wird es dann ganz ruhig und langsam. Das ist zugleich ein wunderbarer Anlass, mit Kindern Fragen zu beantworten wie: „Wie ist ihr Umgang mit Hitze? Zum Beispiel mit dem besonders heißen Mittag? Was ist eine Siesta? Und wo halten sie sich dann auf?“
4. Erkunde die Schattenkultur
Die Menschen, die in heißen Ländern leben, suchen nicht die Sonne, wie wir. Sie suchen den Schatten. In vielen Kulturen haben große Bäume (etwa in der Ortsmitte) eine besondere Bedeutung. Sie sind ein Ort der Zusammenkunft und des Austausches. In Afrika gibt es beispielsweise die Tradition der Palaver-Bäume (oft Baobab-Bäume). In ihrem Schatten wurden schon unzählige Konflikte verhandelt, Probleme gelöst und Steitigkeiten friedlich geregelt.
Dass es an heißen Tagen sinnvoll ist, sich im Schatten von Bäumen aufzuhalten, können auch die Kinder einer Kita entdecken: Rund um einen großen Baum können sie erforschen, wie warm es im Schatten und in der Sonne ist – und wo es am kühlsten ist. Vielleicht sogar mit einer Temperaturmessgerät. Vielleicht machen die Kinder ja früh am Morgen das Experiment und ruhen dann zur Mittagszeit im Schatten auf einem gemeinsamen, provisorischen Bettenlager aus ;-).
5. Mit nassen Tücher kühlen
Es gibt aber noch weitere Tricks im Umgang mit Hitze. In vielen Kulturen hängen die Menschen zum Beispiel feuchte Tücher um ihren Nacken oder ihre Schultern. Die Verdunstungskälte kühlt sie dann angenehm ab. Das ist einfach, kostengünstig und zugleich wirksam. Und es lässt sich auch ganz leicht in der Kita ausprobieren: Einfach eine Schüssel mit kühlem Wasser und weichen Tüchern aufstellen und die Kinder damit experimentieren lassen, was sich gut für sie anfühlt. So wird globales Wissen buchstäblich greifbar.
6. Vorhang statt Klimaanlage
Nasse Tücher kühlen Menschen aber nicht nur direkt auf der Haut. Auch nasse Vorhänge oder Laken vor offenen Fenster haben eine wunderbar kühlende Wirkung. Wenn der Wind hindurch streicht, erzeugt er im Innenraum eine Verdunstungskühlung. Es ist das gleiche Prinzip wie bei den khus-Grasmatten aus Vetiver-Gras (die wissenschaftliche Erklärung dafür findest du hier), die die Inder*innen seit Jahrhunderten nutzen. Auch hier können die Kinder mitwirken: Sie können die Tücher anfeuchten, aufhängen und dann prüfen, ob es wirklich kühler wird. Physik im Kita-Alltag!
7. Kleider kühlen Leute
Auch Kleidung spielt eine wesentliche Rolle im Umgang mit Hitze. Erkunde doch mal mit den Kindern, welche Stoffe und Schnitte bei hohen Temperaturen besonders angenehm sind: Baumwolle, Leinen, helle Farben, weite Schnitte. Und dann entdeckt gemeinsam, dass die Menschen solche Kleidung in heißen Regionen seit Jahrtausenden tragen – von Marokko bis Indonesien. Vielleicht ist es möglich, Bilder von Kleidungsstücken aus verschiedenen Ländern zu begutachten: ein Kanga aus Tansania, ein Lungi aus Bangladesch, ein Kurta aus Pakistan. Vielleicht können sogar manche Kinder solche Kleidungsstücke mitbringen. Dann können die Kinder den Unterschied zu engen Jeans spüren und verstehen, dass die Kleidung von Menschen immer auch zum Klima passt.
8. Genieße Getränke aus aller Welt
Natürlich haben sich die Menschen im Globalen Süden nicht nur ihre Architektur, ihren Tagesrhythmen und ihre Kleidung an die hohen Temperaturen angepasst, sondern auch ihre Ernährungsweise. Getränke spielen dabei eine große Rolle. Aber was trinken die Menschen eigentlich in den heißen Regionen? Finde das mit den Kindern heraus und teste an Hitzetage doch mal unterschiedliche Rezepte. In Indien trinken die Menschen etwa Lassi (Joghurt mit Wasser und Gewürzen), in der Türkei Ayran (hier ein Rezept) und in Südostasien Kokoswasser. Diese Getränke gleichen Flüssigkeit und Mineralienverluste viel besser aus, als etwa überzuckerte Brausen.
9. Lecker: Wasserreiche Lebensmittel
Wassermelone, Gurke, Mango oder Lychee – viele Früchte des Globalen Südens bestehen fast vollständig aus Wasser und sind natürliche Durstlöscher. Wenn du in deiner Kita ein kleines Buffet mit solchen Lebensmitteln erstellst, ist das nicht nur erfrischend für die Kinder, sondern lädt sie auch zu einer kleinen Entdeckungsreise ein: „Wo wachsen diese Früchte? Wer hat sie unter welchen Bedingungen angebaut? Und wie kommen sie zu uns?“ Kinder lernen auf diese Weise spielerisch, dass unsere Ernährung mit dem Klimawandel zusammenhängt – ein zentrales Thema des Globalen Lernens.
10. Scharf und heiß – welche Gewürze vertragen sich mit Hitze?
Ist es nicht erstaunlich, dass Menschen in heißen Ländern traditionell scharfe Gerichte essen? Ob in Südostasien, Indien oder Mexiko – überall nutzen die Menschen Gewürze wie Chili, um ihre Speisen zu würzen. Und das hat seinen Grund. Denn die Schärfe regt unseren Körper an zu schwitzen. Das erzeugt (wie bei den Tüchern) eine Verdunstungskälte auf unserer Haut und die kühlt unseren Körper ab. Daher ist scharfes Essen in heissen Regionen keineswegs nur Geschmackssache. Es ist ein guter Umgang mit Hitze. Natürlich sollten die Speisen in der Kita milder gewürzte Varianten sein. Oder vielleicht reicht es auch schon, wenn die Kinder Gewürze wie Chili, Ingwer oder Pfeffer einfach mal in ihrem ursprünglichen Zustand betrachten, anfassen und riechen können. Dann könnte sich ein Austausch anschließen zu Fragen wie: „Wo kommen Pfeffer und Chili eigentlich ursprünglich her? Und wie haben sie sich über die ganze Welt verbreitet?“
Fazit: Heiße Tage sind Lehrmeister des Globalen Lernens
Wir sollten alles tun, was in unserer Macht steht, um die Klimakrise aufzuhalten. Gleichzeitig steht jetzt schon fest, dass Höchsttemperaturen und Hitzewellen stetig zunehmen werden. Wir können und müssen uns darauf vorbereiten. Und wir können dabei viel von den Menschen im Globalen Süden lernen. Das lässt sich als Chance nutzen, um das Wissen aus dem Globalen Süden nicht als exotisch und/oder rückständig und veraltet darzustellen, sondern als das, was es ist: eine wichtige Wissensressource für unsere Gegenwart und Zukunft! Dann erkennen die Kinder schon in frühesten Jahren, dass die Menschheit die Antworten auf kommende Herausforderung vielleicht schon kennt – nur eben nicht unbedingt hier bei uns. Und dass globale Verbundenheit, Wissensaustausch und Kooperation für uns alle (überlebens)wichtig sind.
Tipp: Welche klimabedingten Risiken gibt es für Kinder?
Ideen zum weiterlesen
- Wie ernähren sich die Menschen in anderen Ländern? Ein Konzeptheft aus dem Weltladen. Marburg https://kita-global.de/welternaehrung-im-kinderbuch/
- Wo kommen eigentlich die Weihnachtsgewürze her? Eine erzählerische Reise rund um die Erde. https://kita-global.de/weihnachtsgewuerze-reise-in-die-weihnachtsduftwelt/
- Ideen, Geschichten, Materialien und Tipps rund um Wasser – unser Dossier „Wasser“. https://kita-global.de/neues-dossier-wasser/
Bildquelle: Claire Lhermitte (Wikimedia) | Für die Recherche der Tipps haben wir die KI „Lumo“ verwendet.


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