Dokumentation: In unserer Mitte die Welt

In unserer Mitte die Welt. Nach vier spannenden Fortbildungen mit diesem Titel bleibt bei uns im Organisations-Team ein Gefühl der Zusammengehörigkeit. In vier rheinland-pfälzischen Städten gaben wir etwa 80 Erzieher*innen eine Einführung zu Globalem Lernen und Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). Nun folgt hier unsere Dokumentation.

Globales Lernen und die eigenen Werte

Den Start in die Seminartage „In unserer Mitte die Welt“ lieferte Gundula Büker von EPIZ Reutlingen mit einem praxisorientierten und abwechslungsreichen Theorieteil zu Globalem Lernen. Ein Highlight war dabei, die eigenen Werte zu bestimmen sowie diejenigen, die wir den Kindern vermitteln möchten. Dazu priorisierten wir eine Reihe von Werten mit Hilfe von Murmeln.

Dies zeigte uns schnell, dass wir unterschiedliche Definitionen hatten für bestimmte Begriffe – etwa für „Wir-Gefühl“. Andere schienen alle anderen Werte zu beinhalten, dazu gehörte zum Beispiel die Begriffe „Achtung“ oder Vertrauen“. Denn: „Wenn ich Achtung vor mir habe, werde ich achtsam Anderen gegenüber sein“, das war die Meinung einiger Teilnehmer*innen. So entstanden spannende Diskussionen, die uns zeigten, wie wichtig es ist, Werte für sich und im Team zu reflektieren.

WertemurmelDiskussion über Werte: „Welche Werte sind am wichtigsten für die Gesellschaft?“

Beutelsbacher Konsens

Doch wie begleiten und prägen wir Kinder durch unsere Werte und Haltungen? Zu dieser Frage stellte Gundula Büker einen spannenden Ansatz aus der politischen Bildung vor: den „Beutelsbacher Konsens„. Auch wenn der Name zunächst den Wenigsten etwas sagte und auch ein wenig sperrig klang, waren die drei Hauptaussagen sehr eindeutig und praxisnah:

  1. Das Überwältigungsverbot: Dabei ist es nicht erlaubt, Kinder im Sinne erwünschter Meinungen zu überrumpeln und hindern, dass sie sich selbständig ihre eigene Meinung bilden.
  2. Das Kontroversitätsgebot: Zudem ist es wichtig, kontroverse Themen auch kontrovers mit den Kindern zu behandeln. Das heißt wir sollten uns bemühen, unterschiedliche Standpunkte in unserer Gesellschaft zuzulassen, diese den Kindern vorzustellen und gemeinsam mit ihnen zu hinterfragen.
  3. Der Partizipationsgedanke: Dieser dritte Aspekt nennt sich auch „Mündigkeit“. Dabei sollen Kinder in die Lage versetzt werden, die allgemeine Situation und ihre eigenen Interessen zu analysieren und nach Wegen zu suchen, um die Wirklichkeit zu analysieren.

Beutelsbacher KonsensDer Beutelsbacher Konsens: Drei Leitgedanken für die Wertevermittlung.

BNE in der Praxis

Am Nachmittag stellte Wally Spang den Bildungsbereich „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ vor – und zwar anhand dreier Beispiele aus ihrer Arbeit der letzten 13 Jahre in der Kita am Sonnenhang. Sie ist für die Bildung im naturnahen Außengelände zuständig und zeigte Beispiele, wie Kinder unter Aufsicht das spielfreundliche und entdeckungsfördernde Außengelände der Kita nutzen.

Die Kinder können dort offene Rollen- und Bewegungsspielen nutzen. Dazu gehören zum Beispiel Bewegungselemente mit Brettern, Rundhölzern, Kochen von Lehmsuppe und die Entdeckung der Wiese. Wally Spang zeigte darüber hinaus aber auch, wie Erzieher*innen mit weniger Raum den Gedanke der Nachhaltigkeit und der Handlungsfähigkeiten im Alltag weiterentwickeln können.

Die Spielzeugproduktion

Anschließend präsentierte Svenja Enke vom Entwicklungspolitisches Landesnetzwerk Rheinland-Pfalz (ELAN) ein Bildungsangebot für die Kindertagesstätte zum Thema „Spielzeugproduktion“. Im ELAN-Baustein „Spiel, Spannung, Spaß – eine (un)faire Überraschung“ entdecken Kinder und Erwachsene, unter welchen Arbeitsbedingungen das Spielzeug in China entsteht. So bekam der Titel der Seminare „In unserer Mitte die Welt“ eine ganz neue Bedeutung.

Der Baustein besteht aus einer halbtägigen Fortbildung für Erwachsene und einer 1,5-stündige Bildungseinheit für Kinder. Elemente der Bildungseinheit – wie das Riesenbilderbuch oder das Maskottchen „Bruno“ – zeigen, wie methodenreich und altersgerecht diese Bildungseinheit für Kinder aufbereitet ist. Geschulte ELAN-Referent*innen können sie in Kitas in Rheinland-Pfalz sehr kostengünstig umsetzen.

Svenja Enke Spielzeug BausteinSvenja Enke (ELAN) zeigt Baustein über die Spiezeugindustrie

Das Welt-Buffet

In der Werkstatt „Welt-Buffet“ konnten die Teilnehmer*innen dann auch noch zusammen mit Wally Spang gesunde Snacks zubereiten. So erkannten sie schnell und praxisnah globale und lokale Bezüge. Dazu bereiteten wir die Snacks mit fairen, ökologisch erwirtschafteten und regionalen Lebensmitteln zu – und schauten uns sehr sorgfältig auf der Weltkarte an, wo die jeweiligen Lebensmitteln herkamen und welche langen Wege sie hinter sich hatten. Wie es sich herausstellte, war es gar nicht so einfach, auf alle Kriterien gleichzeitig zu achten.

Denn für die Energiebällchen brauchte man zum Beispiel Datteln aus Ägypten und Kokosnuss von den Philippinen. Diese zwei Lebensmittel waren zwar fair und bio, aber nicht lokal. Ähnlich ging uns bei der Zubereitung des Obsttellers mit der Frage: Sind Äpfel aus Deutschland immer die beste Alternative? Nein, nicht immer. Sie sind es eigentlich immer nur, wenn hier bei uns Äpfelsaison ist. Ansonsten ist die Lagerhaltung sehr energieaufwendig.

Besonders im Frühjahr können Äpfel aus Neuseeland trotz des weiten Transports eine bessere Öko-Bilanz aufweisen. So zeige die Werkstatt konkret und praktisch, das es keine einfache Lösungen für komplexe Probleme gibt. Umso wichtiger ist es, bewusst zu konsumieren und den Kindern die Zusammenhänge zu vermitteln und so zu zeigen, was der Titel des Seminars „In unserer Mitte die Welt“ konkret bedeuten kann.

Kita Fortbildung nachhaltige EntwicklungWerkstatt Welt-Buffet: Produkte für gesunde Snacks auf dem Prüfstand

Bildungsmaterialien und Institutionen

Zum Abschluss des Tages stellten wir die Bildungsmaterialien verschiedener Institutionen vor, die die Teilnehmer*innen für die Weiterarbeit in ihre Einrichtungen mitnehmen konnten. Wir hoffen, dass wir über die Plattform KiTA-GLOBAL.de weiterhin in Kontakt mit den Teilnehmer*innen bleiben und ihnen dabei helfen können, die Fragen rund um Globales Lernen und die Bildung für nachhaltige Entwicklung in ihrer Alltagspraxis präsent zu halten.

Die nächste Fortbildungsreihe findet 2017 in Hessen statt. Sicher können wir uns auf eine spannende Zeit freuen!

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