Bildungsmaterial: Fairer Handel und vorurteilsbewusstes Lernen in der Kita

Fairer Handel & vorurteilsbewusstes Lernen in der Kita

Wie gelingt Globales Lernen ohne koloniale Vorurteile und Klischees zu verfestigen: hier die mächtigen Menschen des Globalen Nordens – dort die hilfsbedürftigen, armen, ausgebeuteten Menschen des Globalen Südens? Dieses Bildungsmaterial von FaireKITA NRW zeigt es!

Globale Ungerechtigkeiten sind nicht von der Natur vorgegeben. Wir Menschen haben sie gemacht. Der Kolonialismus hat mit seiner gewaltsamen Unterdrückung und Ausbeutung die Grundlagen für kulturelle, politische, geografische und gesellschaftliche Strukturen gelegt, die bis heute wirken. Der Faire Handel will – neben anderen Akteur*innen – Globale Gerechtigkeit herstellen, in dem er ehemalige Kolonialprodukte wie Tee, Kaffee, Kakao oder Bananen unter fairen Arbeitsbedingungen und zu fairen Preisen handelt. Mit Projekten wie dem Fairen Frühstück oder der FairenKITA können auch Bildungseinrichtungen im Elementarbereich Teil des Fairen Welthandels werden.

Doch dabei gibt es ein Dilemma: »In Bildungseinrichtungen stehen wir vor der Herausforderung, bei Heranwachsenden ein Bewusstsein für globale Ungerechtigkeiten zu fördern, ohne dabei unbeabsichtigt kolonial geprägte Denkmuster und Stereotype zu reproduzieren«, steht in der Broschüre »Fairer Handel & vorurteilsbewusstes Lernen in der Kita«. Soll heißen: in Kitas sollen Pädgog*innen zwar den Kindern (und Eltern) ein Bewusstsein für die ungerechten Strukturen, die Ausbeutung und globale Ungerechtigkeit geben. Allerdings ohne das Bild zu verfestigen, dass die Menschen des Globalen Nordens alle übermächtig seien – und die Menschen des Globalen Südens alle arm, hilfsbedürftig und schutzlos ausgeliefert.

Bewusstsein entwickeln und lernen

»Rassistische, koloniale und eurozentristische Denkmuster prägen bis heute oft unbewusst unser Wahrnehmen und Handeln«, fassen es die Autor*innen der hier empfohlenen Broschüre zusammen. Das bedeutet auch, dass alle Menschen mehr oder weniger unbewusst die Denkmuster verinnerlicht haben – im Globalen Norden und im Globalen Süden. Niemand ist frei davon und vielleicht ist es gerade diese Erkenntnis, die es uns ermöglicht, unsere Prägungen und Muster ehrlich anzusehen und zu hinterfragen. Zum Beispiel können wir uns dazu folgende Fragen stellen:

  • Handele ich aus einem Gefühl von Verantwortung heraus? Oder möchte ich durch meine Aktionen zum Fairen Handel wohltätig sein/erscheinen?
  • Verstehe ich mich als Retter*in? Oder reflektiere ich kritisch meine Rolle in globalen Machtstruktur?
  • Weiß ich, wie eine Begegnung auf Augenhöhe mit Partner*innen, Initiativen und Projekten aus dem Globalen Süden gelingt?
  • Weiß ich, welche Privilegien ich habe? Bin ich mir gängiger Vorurteile und Stereotype bewusst? Kann ich erkennen, ob ich sie auch verinnerlicht habe?
  • Kann ich damit umgehen, wenn ich oder andere mit dabei ertappe, solche Vorurteile und Stereotype zu haben?
  • Sehe ich meine Ausgaben für Fair-Trade-Produkte als Spende oder als faire Bezahlung an?

Fazit: Vorurteilsbewusstes Lernen in der Kita

Die Broschüre ist mit 12 Seiten nicht zu umfangreich, liefert aber dennoch einen guten Einstieg in das Thema. Eine Karte im Center Fold zeigt zum Beispiel die realistischen Ausmaße der Kontinente auf de Weltkarte und wie die Handelsströme des kolonialen Handels aussahen. Darüber hinaus gibt es Informationen rund um den Fairen Handel sowie einen Überblick darüber, wie der Weg zur FairenKITA aussieht. Und schließlich finden sich in der Broschüre Tipps und Links zu weiteren Methoden und Materialien rund um Globales Lernen und vorurteilsbewusste Bildung in der Kita.

P.S. Übrigens findest du in unserem Dossier »FaireKita« viele weitere Infos, Materialien und Interviews rund um das Thema: https://kita-global.de/category/konsum-handel/fairekita/

Details

Herausgeber: Projektstelle FaireKITA NRW – Faire Metropole Ruhr e.V.
Titel: Fairer Handel & vorurteilsbewusstes Lernen in der Kita
Autor*innen: Theresa Holzer-Kämper, Tamara Kaschek, Ilona Koglin, Maria López, Claudia Pempelforth, Karin Wirnsberger
Gestaltung: Meike Citrich
Seiten: 12
Sprache: Deutsch
Preis: kostenlos