Der Färbergarten in Valsgaard

Sevengardens: Lernen durch Mitmachen

Gemeinsam Farben aus Pflanzen herstellen und dabei viel über Nachhaltigkeit, ökologische Kreisläufe und Teamarbeit lernen. Die Färbergärten des Netzwerkes Sevengardens sind auch für Kitas eine tolle Idee.

Eigentlich wollte der Künstler Peter Reichenbach ja einfach nur mit gesunden und natürlichen Farben malen. Farben, wie sie die Menschen jahrhundertelang herstellten, bevor es die Chemieindustrie gab. Doch die gibt es nur im Bereich der Bildrestauration und sie sind sehr, sehr teuer. Deshalb fing Peter Reichenbach an, die Farben selbst herzustellen. Weil das recht zeitintensiv ist, machte er daraus ein Schulprojekt und gründete zusammen mit der Grundschule am Königshöher Weg in Wuppertal 1998 den ersten Färbergarten als Schulprojekt.

In Zusammenarbeit mit der Lehrerin Eva Schäfer und ihren Schülerinnen und Schülern erforschte der Essener Künstler alte Färbertraditionen. Gemeinsam experimentierten sie viel und erzeugten über die Zeit viele Liter Farbe. Wichtig war und ist dabei, dass die Kinder ihre Ergebnisse selbst erarbeiten, ihr Wissen weitergeben (und zwar nicht nur an andere Kinder, sondern zum Beispiel auch an Pädagog*innen in der Ausbildung etc.) und jedes Kind sein Interessengebiet findet.

Die Idee begeisterte so viele Menschen, dass sie sich ausbreitete. Zunächst in Nordrhein-Westfalen, später in der ganzen Welt: Peter Reichenbach legte 2010 europaweit sieben Färbergärten an – woraus auch der Name des Projektes entstand „Sevengardens“. Später kamen Färbergärten in der ganzen Welt dazu. Sie alle sind untereinander vernetzt, tauschen sich aus und bereichern sich gegenseitig.

Sevengardens für die Kita

So ist es nicht verwunderlich, dass die Idee auch Pädagog*innen in Kitas begeisterte – etwa die der Kita „Villa Kunterbunt“ in Dinslaken. Hier gibt es einen Färbergarten mit einem eigenen Färberhaus, in dem die Kinder nicht nur ihre eigenen Erfahrungen in Wissen verwandeln. Die Kindergartenkinder halten in Kooperation mit dem Berufskolleg Dinslaken regelmäßig auch Weiterbildungen für Erzieher*innen in der Ausbildung ab.

Was die Kita „Villa Kunterbunt“ an Sevengardens so begeistert, hat sie in ihrer Broschüre zum Thema Färbergärten geschrieben: „Das Anlegen eines Färbergartens an einem Ort für frühkindliche Bildung ermöglicht den Kindern einen Einblick in verlorengegangenes Wissen. Sie lernen Färberpflanzen kennen und pflegen und bekommen so mit dem spielerischen und ästhetischen Zugang über die Farben Einblick in ökologische Zusammenhänge, faire Teamarbeit, Verantwortung fürs eigene Tun sowie Entstehung und Schutz von Werten“.

Info von der Villa Kunterbunt

Geschichten aus Sevengardens

Die Kinder lernen in einem Färbergarte des Sevengardens-Netzwerkes aber nicht nur durch Beobachten, Nachahmen, Experimentieren und Ausprobieren. Sie lernen auch durch Geschichten, die in den Färbergärten erzählt werden. Dies spielt im ganzen Sevengardens-Konzept eine besondere Rolle. Eine (wahre) Geschichte aus einer Schule des Sevengardens-Netzwerkes ist zum Beispiel:

Wir waren einmal an einer Schule in Wuppertal. Hier zeigten wir den Kindern, wie man aus Rotkohl Farbe herstellen kann und wie man diese Farbe verändert. Aber die Kinder wollten mehr. Sie wollten eine Farbe finden, die es noch niemals gab, eine einmalige, besondere Farbe. Also gingen sie hinaus, um eine Pflanze zu finden, die ihnen diese besondere Farbe schenken konnte. Sie sammelten viele Pflanzen, gingen zurück zur Schule und versuchten aus den Pflanzen Farbe herzustellen. Und tatsächlich, die besondere Pflanze war dabei. Es war eine unscheinbare Flechte, mit der die Kinder experimentierten. Zum Pflanzensaft fügten sie Sumpfkalk, Asche und selbst gemachtes Ammoniak hinzu. Und siehe da, als die Kinder die Flasche nach einer Woche wieder hervorholten, war aus dem unscheinbaren Pflanzensaft ein wunderbares Violettblau geworden. Die Kinder waren begeistert. Sofort zogen sie los, um mehr Flechten zu sammeln und mehr von der wunderbaren Farbe herzustellen. Sie füllten eine ganze Flasche. Aber als sie neue Farbe brauchten und wieder loszogen, um Flechten zu sammeln, stellten sie fest, dass es keine Flechten mehr gab. Sie hatten alle abgeerntet. Die Kinder waren verwirrt. Sie erfuhren, dass diese besondere Flechte sehr lange braucht, um zu wachsen. Da verstanden sie, was sie getan hatten. Ein Kind wusste das genau: „Wir haben Raubbau betrieben, so wie die Holzhändler im tropischen Regenwald.“ Die Kinder waren sehr traurig und versprachen sich gegenseitig, nie wieder so unvorsichtig zu sein. Den kleinen Rest an Farbe, der ihnen noch geblieben war, bewahren sie heute wie einen Schatz.

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Sevengardens

Weitere Informationen rund um das Netzwerk Sevengardens, die Geschichte, das Konzept, die Methoden und die Möglichkeiten mitzumachen, finden Sie unter:

Website Sevengardens.eu

 

Quellen: Die Informationen sowie die Geschichte stammen aus zwei Beiträgen der Bundeszentrale für politische Bildung. Das Bild stammt von „Der Färbergarten in Valsgaard“by Leif Hinrichsen is licensed under CC BY-NC 2.0 

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