„Resilienz, Glück und Seifenblasenmomente“ lautete der Titel des letzten Werkstatt-Treffens (Online) von KITA-GLOBAL und dem Partnernetzwerk Frühkindliche Bildung (FrüBi) am 8. Dezember 2025.
Dabei gab die Diplom-Psychologin Dr. Daniela Blickhan zunächst einen einleitenden einen inspirierenden Impulsvortrag über die Bedeutung von Positiver Psychologie für die BNE, Globales Lernen und die KITA-Arbeit. Sie leitet seit 20 Jahren mit ihrem Mann das Inntal Institut mit Standorten in ganz Deutschland. Dort gibt es Ausbildungen und Seminare zu diesem Thema. Durch ihr Studium der Positiven Psychologie in London kann sie aktuelle Forschungsergebnisse einbringen und praxisnah vermitteln. Eine Zusammenfassung ihres Vortrages finden Sie hier.
Der Globale Süden, Glück und Staunen – drei Workshops
Nach dem Vortrag von Dr. Daniela Blickhan kamen die Teilnehmenden des Werkstatt-Treffens in verschiedenen Breakout-Rooms zusammen, um sich über drei verschiedene Themen auszutauschen:
Glück aus dem Blickwinkel des Globalen Südens
Im ersten Raum leitete die Bildungsreferentin Franziska Gallegos einen Austausch darüber, was wir von den Philosophien und Lebensanschauungen aus dem Globalen Süden lernen können, wenn es um Glück geht. Fragen, die dabei eine Rolle spielten, waren:
- Wie können wir in einen guten Dialog mit Menschen aus dem Globalen Süden kommen?
- Was bedeutet gutes Leben im Sinne der Positiven Psychologie?
- Was bedeutet Gemeinschaft?
- Wie können wir Routinen entwickeln, bei denen Positive Psychologie und ein gutes Leben zusammentreffen?
Zunächst gab Franziska Gallegos eine Einführung über die Perspektive von Menschen aus dem Globalen Süden auf ein gutes Leben, Individuum und Gemeinschaft – wobei „Gemeinschaft“ im weitesten Sinne zu verstehen war, also Gemeinschaft in und mit Natur. Anschließend überlegte die Gruppe, was sie in ihrer Kindheit positiv gestärkt hatte im Hinblick auf Gemeinschaft. Außerdem zeigte sich, dass wir von anderen Traditionen lernen können, dass die westlich-individualistische Perspektive „ich bin dafür verantwortlich, dass es mir gut geht, damit die Welt gut wird …“ nicht unbedingt hilfreich ist.
Daher kam auch die Frage auf, wie Arbeitskräfte in der Kita das Empfinden von Gemeinschaft und gemeinschaftlichen Lösungen und Handlungen stärken können – miteinander und mit und in der Natur. Das Gefühl, nicht allein zu sein, sondern sich in der Gemeinschaft sicher und geborgen zu fühlen. Wichtig, so das Ergebnis, ist dabei eine positive Spiritualität, also dass wir den Glauben an das Gelingen, das Gute stärken.
Die Quintessenz: Pädagog:innen sollten versuchen, in der KITA das positive Erleben von Gemeinschaft zu stärken. Sie sollten Kindern vermitteln, dass sie auf das Gemeinschaftliche in der Familie, in der Kita und in der Gesellschaft vertrauen können. Also letztlich in das Gute des Menschen und in Gemeinschaft – auch mit Mutter Natur, die uns die Sonne, die Luft, die Erde und alles, was auf ihr wächst, schenkt. Dafür können wir dankbar sein – egal welcher Religion wir angehören.
Weitere Infos und Notizen finden sich auf dem folgenden Edupad: https://edupad.ch/p/HNjD6Ipky8
Die Glücksbande
In der zweiten Gruppe ging es um ein neues Praxishandbuch für Erziehende im Elementarbereich, das die Themen „Nachhaltigkeit“ und „Glück“ miteinander verbindet. Maren Sartory, die das Projekt „Die Glücksbande“ beim Naturgut Ophoven leitet, hielt dazu einen Vortrag:
Zum einen hat das Projekt „Die Glücksbande“ ein Bücherset herausgebracht. Es besteht aus dem Praxishandbuch „Die GlücksBande. Kinder erleben Nachhaltigkeit. Praxisideen für die Kita“ und dem Mitmachbuch „Komm bring Glück“. Beide ermöglichen es Pädagog:innen in der Kita, sich die Themen selbstständig anzueignen.
Darüber hinaus bietet das Projekt aber auch praxisnahe Fortbildungen für einen halben oder ganzen Tag an. In ihnen probieren die Kita-Teams die Inhalte aus dem Bücherset aus und lernen gemeinsam mit der Glücksbande. Laut Maren Sartory empfinden die Teilnehmenden die Inhalte der Fortbildungen als sehr niedrigschwellig und leicht umsetzbar. Außerdem erhalten die Teilnehmenden die beiden Bücher.
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Vom Spüren zum Staunen
Den dritten Workshop leitete Lena Grüber. Sie koordiniert das BNE-Partnernetzwerk Frühkindliche Bildung („Frübi“) auf Bundesebene, ist Mitglied im BNE-Forum Frühkindliche Bildung auf Bundesebene und Gestalterin der Zeitschrift wamiki. Sie machte mit den Teilnehmenden einen Ausflug in die künstlerische Welt, um sich den Prozess der Wahrnehmung, der Gefühle, der Irritation und auch der Bedeutungszuschreibung anzuschauen. Dabei kam sie auch auf das Staunen und das Wundern und zeigte, warum diese nicht nur kurze Effekte hervorrufen, sondern uns zum Beispiel auch resilient machen. Laut Lena Grüber baut sich eine ästhetische Erfahrung in mehreren Schritten auf:
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Austausch zum Thema
Gemeinschaft, Spiritualität, Verbundenheit, Philosophieren, Glück, Verantwortung und Empathie – das waren die Stichworte, die in den Berichten aus den drei Workshops herausstachen, wie Karin Wirnsberger in ihrer Überleitung zum allgemeinen Austausch erklärte. Sie ist Koordinatorin der KITA-Projekte am EPiZ Reutlingen, Bildungsreferentin für BNE und Globales Lernen, Coach und Kinderyoga-Lehrerin sowie kooptiertes Mitglied im FORUM Frühkindliche Bildungauf Bundesebene und unterstützt die Koordination des BNE-Partnertnetzwerks Frübi.
Damit einher geht ihrer Ansicht nach auch die Verbundenheit: Verbundenheit mit uns selbst, mit dem nächsten, mit der Natur, und auch mit den Menschen und den Lebensweisen aus dem globalen Süden, von denen wir sehr viel lernen können. Um diese Verbundenheit ging es auch in dem anschließenden Austausch unter den Teilnehmenden. Hier einige Beiträge aus der Runde in einer kurzen Zusammenfassung:
- Weniger ist mehr. Pädagog:innen in Kitas sollten Alltagsmomente, die Fragen und Interessen der Kinder aufgreifen und daran anknüpfen. Hier ist es die Aufgabe als Pädagog:innen, die Seifenblasenmomente wahrzunehmen und auch den Kindern zu zeigen, wie sie das üben können. Gleichzeitig lassen sich die SDGs ganz leicht mit Alltagsdingen füllen. So lassen sie sich aus dem Abstrakten herausholen und konkret machen.
- Ein Beispiel aus einer Kita, die ein Portfolio-Blatt entwickelt hat, in das alle Eltern eintragen können, welche Sprachen sie sprechen, welche Kulturen sie haben und ob sie bereit sind, etwas in ihrer Sprache vorzulesen oder ähnliches. Daraus entstand ein Plakat, das zeigt, welche Sprachen und Kulturen in der Kita vertreten sind. Eine großartige Idee, um nicht auf das Defizit schauen (also dass manche nicht so gut Deutsch können), sondern um sich darüber zu freuen, was an Vielfalt und Reichtum vorhanden ist.
- Philosophieren mit Kindern. Eine andere Teilnehmerin erzählte, wie sie das Philosophieren in ihrer Kita in der Praxis umsetzt und dass dies einfacher ist, als sie zunächst dachte. Als der Opa eines Kindes gestorben war, griffen die Erwachsenen das Thema „Tod“ auf und philosophierten mit den Kindern dazu. Weitere Infos zum Thema „Philosophieren mit Kindern“ gibt es auch in dem (Audio-)Interview mit der Philosophin Birgit Becker.
- Meditieren in einer Kita. Franziska Gallegos erzählte von einer Begebenheit, bei der sie mit den Kindern in einer Kita meditierte. Diese standen aufrecht und sollten sich vorstellen, wie aus ihren Füßen Wurzeln in die Erde wuchsen und sich mit den Wurzeln der anderen Kinder, der Erwachsenen, der Eltern, der Nachbar:innen usw. verbanden. Als Franziska Gallegos kurz die Augen öffnete, sah sie, dass die Kinder ganz tief in dieser Vorstellung versunken waren. Das war für sie ein ganz tolles Bild und ein schönes Geschenk. Ein Seifenblasenmoment!
Bericht aus den Gremien
Zum Abschluss lieferten Gundula Büker und Lena Grüber einen kleinen Bericht aus den Gremien „Venro“ und „Partnernetzwerk Frühkindliche Bildung (FRÜBI)“.
VENRO (Gundula Büker)
In der AG „Bildung“ geht es derzeit vor allem um die kleiner werdenden Räume für Zivilgesellschaft und wie damit umzugehen ist, dass Förderung weniger werden und die Arbeit in diesem Bereich viel mehr unter Legitimierungsdruck steht. Dazu gibt es einen Austausch untereinander, aber auch mit Politiker:innen. Ein weiteres Thema ist der Orientierungsrahmen für den Lernbereich „Globale Entwicklung“, der eher mit Blick auf Schule neu überarbeitet und veröffentlicht wurde. Hier gibt es ziemlich viele Fachkapitel zum Bereich „Gymnasiale Oberstufe“, die man zum Teil aber auch für die berufliche Bildung nutzen kann, also etwa an sozialpädagogischen Fachschulen. Venro plant, diesen Orientierungsrahmen demnächst auch aus zivilgesellschaftlicher Sicht und aus Sicht von außerschulischen Bildungsakteur:innen zu kommentieren.
Forum Frühkindliche Bildung (Lena Grüber)
Lena Grüber teilte im Anschluss einen Link zu einer Sammlung von Themen auf der Plattform „Taskcards“. Hier finden Interessierte die Themen, die im Partnernetzwerk Frühkindlichen Bildung gesammelt wurden und werden. Diese Themen werden im Rahmen von Veranstaltungen wie z.B. dem Werkstatt-Treffen, digitalen Werkstatt-Gesprächen bzw. in Treffen der Interessensgruppen (IGs) bearbeitet.
Für 2026 plant das Partnernetzwerk ergänzend zu den beiden Werkstatt-Treffen rund sechs digitale Werkstatt-Gespräche. Mögliche Themen sind einerseits Schwerpunkte der IGs und weitere Themen, die von Mitgliedern eingebracht wurden:
- Awe and Wonder (Antje Brock angefragt)
- Die aktualisierten Bildungspläne vorstellen und diskutieren (z.B. aus Baden-Württemberg und Brandenburg)
- Kollektives well-being
- BNE- Partizipation und Demokratiebildung: Kita als politischer Ort
- BNE Tool- Party (Beispiele für den Einstieg in BNE): Dabei geht es um einen Austausch zu den „Lieblingsmethoden“, mit denen KITA-Pädagog:innen BNE an Menschen herantragen, die noch nie davon gehört haben und ihnen einen einfachen Einstieg ermöglichen möchten.
- Erzieher:innen- Ausbildung und BNE (Kooperation Partnernetzwerk Berufliche Bildung)
- Migrantische Eltern/Fachkräfte in der Kita einbinden
- Kita-Partnerschaften mit dem Globalen Süden / Perspektive des Globalen Südens
Weitere wesentliche Themen für uns sind zum Beispiel der gesellschaftliche Zusammenhalt und die Frage, wie man dem als Pädagog:in in einer Kita den spürbar stärker werdenden rechten Strukturen in unserer Gesellschaft entgegentreten kann. Das Forum Frühkindliche Bildung plant für den 20. Mai 2026 in Berlin eine Nachfolge Veranstaltung „Wie weiter mit der frühen BNE? – Weitere Informationen dazu folgen.
Im Sommer 2026 wird es wieder ein Werkstatt-Treffen in Kooperation mit KITA-GLOBAL geben, das in Präsenz stattfindet und vermutlich rund 2,5 Tage geht. Sobald hierzu Informationen vorliegen, teilen wir sie mit euch!
Fazit: Werkstatt-Treffen „Resilienz, Glück und Seifenblasenmomente“
Das zweite Werkstatt-Treffen dieses Jahr fand wie üblich online statt. Der Impulsvortrag von Dr. Daniela Blickhan war inspirierend und ermutigend: Pädagog:innen können mit so einfachen Ritualen eine so positive Wirkung in ihrer KITA-Arbeit erzielen! So können sie Resilienz und Glück und Gemeinschaft erzeugen, die wir für die BNE und den so dringend notwendigen öko-sozialen Wandel brauchen – vor allem in Zeiten, in denen die Politik auf einen Abbau von Umweltschutz und Solidarität setzt.
Allen Teilnehmenden merkte man an, dass es ihnen guttat, sich unter Gleichgesinnten zu treffen, sich über ganz konkrete, praktische Handlungsmöglichkeiten auszutauschen und Mut, Optimismus sowie Tatenfreude zu verbreiten. Falls Sie bei dem Werkstatt-Treffen dabei waren, so zögern Sie bitte nicht, unten einen Kommentar mit Ihrem Eindruck, Ihren Erkenntnissen und Ihren Seifenblasenmomenten aus dem Treffen zu hinterlassen. Falls Sie das Werkstatt-Treffen (noch) nicht besucht haben, so freuen wir uns, wenn Sie beim nächsten Mal mit dabei sind. Alle Infos zu den Werkstatt-Treffen und die Möglichkeit, sich informieren zu lassen, finden Sie im folgenden Kasten.
Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen Beteiligten – insbesondere aber bei denjenigen, die mit ihren Beiträgen so wertvolle Impulse geliefert haben. Dies ist 2026 einer unserer ersten Beiträge im Blog. Daher nutzen wir die Gelegenheit, um Ihnen allen ein frohes, glückliches neues Jahr voller Seifenblasenmomente zu wünschen!
Ihr Team von KITA-GLOBAL
Infos zu den Werkstatt-Treffen
Die Werkstatt-Treffen „Globales Lernen in der KITA“ vernetzen engagierte Erzieher:innen, pädagogische Fachkräfte und Referent:innen bundesweit.
Bei diesen Treffen geht es um einen kollegialen Austausch zwischen engagierten Mitarbeitenden in Kindertagesstätten und Nichtregierungsorganisationen (NGO), die in der Bildung für eine nachhaltige Entwicklung und Globales Lernen im Elementarbereich tätig sind. Diskutiert und dargestellt werden Ansätze, Methoden und Praxisideen rund um das Thema ‚Globales Lernen und BNE in der Kita‘. Seit 2025 finden die Werkstatt-Treffen in Kooperation mit dem BNE-Partnernetzwerk Frühkindliche Bildung „FRÜBI“ statt.



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