Interview: Uwe Kleinert über Faires Spielzeug

Faires Spielzeug in der KiTA sollte eigentlich ganz normal sein. Doch die Realität sieht häufig anders aus. Warum und wie Erzieher*innen das ändern können, berichtet Uwe Kleinert von der Werkstatt Ökonomie in Heidelberg.

Seit mehr als 15 Jahre setzt sich Uwe Kleinert von der Werkstatt Ökonomie aus Heidelberg in einem Projekt mit Misereor dafür ein, dass deutsche Spielzeugfirmen für menschenwürdige Arbeitsbedingungen in den Fabriken dort sorgen – auch wenn sie in Fernost produzieren lassen und somit die Verantwortung wegschieben können.

Ein Schwerpunkt ist die Frage, wie die Menschen- und Arbeitsrechte im Bereich der Wirtschaft durchgesetzt werden können, etwa in den Lieferketten der Produkte, die wir einkaufen. Wir haben Uwe Kleinert einige Fragen zu fairem Spielzeug gestellt.

Welche Missstände gibt es derzeit bei konventionellem Spielzeug?

Der Preis spielt bei Spielzeug, wie bei anderen Produkten auch, eine zu große Rolle. Das drückt auf die Qualität. Das zeigen zum Beispiel die regelmäßigen Berichte über gefährliche Inhaltsstoffe. Das drückt aber auch auf die Arbeitsbedingungen in den Fabriken: Extrem niedrige Löhne, die zum Leben nicht reichen, Überstunden ohne Ende, Arbeitsunfälle aufgrund von Übermüdung oder fehlenden Schutzvorkehrungen sowie miese Bedingungen in den Fabrikwohnheimen …

Was fordern Sie von Spielzeugherstellern?

Viele Spielzeughersteller lagern die Produktion in Billiglohnländer aus – und damit auch die Verantwortung. Das ist nicht akzeptabel. Die Unternehmen haben eine Sorgfaltspflicht. Sie müssen sicherstellen, dass in ihren Lieferketten menschenwürdige Bedingungen herrschen.

Dazu gehören ordentliche Preise und angemessene Lieferfristen, unabhängige Kontrollen, aber auch Schulungen für die Lieferanten oder finanzielle Anreize für die Einkäufer*innen, wenn sie fair einkaufen. Man muss das Risiko von Verstößen minimieren – und wenn trotzdem etwas passiert, dann muss das Konsequenzen haben. Verantwortungsübernahme darf nicht freiwillig bleiben. Die Politik muss entsprechende Vorkehrungen verbindlich vorschreiben.

 

Infografik: Faires Spielzeug

6 Tipps für fairen Einkauf von Spielzeug

 

Was können Eltern und Erzieher*innen oder auch KiTAs tun, um Spielzeug fair und nachhaltig zu machen?

Die Verbraucher*innen und KiTAs haben einen gewissen Einfluss. Sie sollten auf Billigspielzeug verzichten und beim Kauf nach den Herstellungsbedingungen fragen. Es gibt auch einige Siegel, die Orientierung geben. Dazu gehört zum Beispiel der Blaue Engel, das FSC-Siegel bei Holzspielzeug oder das GOTS-Siegel bei Textilspielzeug.

Außerdem gibt es einiges Spielzeug aus Fairem Handel. Einige Hersteller produzieren auch nur im eigenen Betrieb oder in Deutschland. Natürlich braucht es für verantwortliches Einkaufen Informationen, aber die fehlen häufig. Hier steht die Politik in der Pflicht, den Verbraucher*innen verantwortliches Einkaufen zu ermöglichen.

 

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Über die Werkstatt Ökonomie

Die Werkstatt Ökonomie setzt sich für die Durchsetzung der sozialen und wirtschaftlichen Menschenrechte ein. Dazu erstellt sie Studien und bietet Aktionsberatung zu weltwirtschaftlichen, entwicklungs- und sozialpolitischen Fragen an.

Die Aktionsberatung der Werkstatt Ökonomie richtet sich an Organisationen und Gruppen, die ihre Zielsetzungen teilen. Sie umfasst die Erstellung von Studien und Materialien für die Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit, die Planung und Durchführung von Kampagnen und Lobbyarbeit gegenüber Politik und Unternehmen. Bei ihrer Studien- und Bildungsarbeit legt die Werkstatt Ökonomie Wert auf einen möglichst unmittelbaren Handlungsbezug.

Aktuelle Arbeitsschwerpunkte sind Klimagerechtigkeit und die „Große Transformation“, „Unternehmen und Menschenrechte“, verantwortliche öffentliche Beschaffung und die Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Gruppen und Kirchen im Südlichen Afrika.

Website: http://www.woek.de/

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