Wertschöpfungskette des Essen erkunden

Schöpfungswoche: Essen in der Kita

Essen in der Kita ist ein wunderbares Thema, um Globales Lernen im Elementarbereich umzusetzen. Letzte Woche gab es in Kooperation mit KiTA-GLOBAL dazu eine Online-Fortbildung der Schöpfungswoche (www.schoepfungswochen.de). Eine Zusammenfassung.

Wir alle essen. Wir essen gemeinsam, mit Genuss und mit Lust. Doch wissen wir, woher das Essen in der Kita eigentlich kommt? Die Antwort muss wohl – selbst für viele Erwachsene in vielen Fällen – „Nein“ lauten. Denn, Hand auf’s Herz: Wissen Sie, woraus Wurst eigentlich genau besteht? Oder wie man Erbsen sät? Oder was es mit diesen Typen-Zahlen beim Mehl auf sich hat?

Die Online-Fortbildung „Unser Essen – Stationen der Entstehung“ leitete die Diplom-Ökotrophologin Costanza Müller (naehrmehr.de), mit der wir bereits ein Interview zum Thema „Essen in der Kita“ geführt haben:

Essen in der Kita

Die Wertschöpfungsketten des Essens

Zunächst gab Costanza Müller einen Einstieg in das Thema, in dem sie über die Wertschöpfungsketten unserer Lebensmittel berichtete und wie man diese gemeinsam mit den Kita-Kindern erkunden kann. Ein gutes Beispiel: Woraus besteht eigentlich unser Brot?

Das fängt bereits mit den Fragen an: Woraus besteht Mehl? Welche Getreidearten gibt es? Und wodurch unterscheiden sie sich? Mit Kindern kann man mal probehalber verschiedene Getreidesorten säen und schauen, wie sie wachsen und sich entwickeln. Dann kommt die Frage, wie Mehl daraus gemacht wird. Und auch hier können die Kinder zum Beispiel mit einem Mörser schauen, wie sie die Körner zu Mehl mahlen können.

Und schließlich geht es ans Brot backen. Ganz hervorragend lassen sich dabei verschiedene Rezepte und Brotsorten aus den unterschiedlichen Kulturen backen. Dabei können auch die Eltern mit beispielweise unterschiedlichen kulturellen Hintergründen beitragen. Einen Beitrag mit Tipps zu Materialien haben wir bereits veröffentlicht:

Aktionsidee: Brot in der Kita

Gruppenarbeit zu Erbsen, Kartoffeln und Wurst

Nach dem Vortrag ging es an die Gruppenarbeit. In drei Gruppen erarbeiteten die Teilnehmenden in rund 40 Minuten, wie sich die Erkundung solch einer Wertschöpfungskette mit anderen Lebensmitteln denken ließe. Dabei ergaben sich folgende Ideenskizzen:

1// Erbsen

Zunächst kam die Idee auf, Erbsen selbst zu säen und groß zu ziehen. Vermutet wurde, dass viele Kinder gar nicht wissen, dass Erbsen aus Schoten kommen. Für das erste Jahr sollte dazu Saatgut gekauft werden. Ein oder zwei Schoten könnte man aber auch an der Pflanze hängen lassen, bis sie gelb und trocken sind: Die Erbsen darin sind dann das Saatgut für das nächste Jahr.

Außerdem sollten die Kinder erkunden, in welchen Formen es Erbsen zu kaufen gibt: In der Dose oder im Glas, getrocknet in der Tüte oder tiefgekühlt im Gefrierschrank. Ja, und herauszufinden gibt es natürlich auch: Wann gibt es die Erbse eigentlich frisch? Mit anderen Worten, wann wird sie bei uns eigentlich tatsächlich reif und wie unterscheiden sich all diese Erbsen vom Geschmack her?

Außerdem sollte es einen Erbsennachmittag geben, an dem Eltern typische Familiengerichte mitbringen, in denen es Erbsen gibt. Erbsenpüree etwa oder Humus (mit Kichererbsen gemacht). So lässt sich auch die ganze Familie einbeziehen und die Kinder lernen unterschiedliche Kulturen und Gebräuche kennen.

2// Kartoffeln

Auch hier sollten die Kinder erfahren, dass aus einer Kartoffel, die keimt, eine ganze Pflanze mit vielen weiteren Kartoffeln wird. Es gab sogar die Idee für ein Experiment: Man legt eine Kartoffel in einen Schuhkartin, den man lichtdicht verschließt und schaut dann, was passiert. Kleiner Tipp: Erstaunlicherweise suchen sich die Triebe der Kartoffel ihren Weg ans Licht!

Dann wollten die Erzieher*innen dieser Gruppe mit den Kindern auch besprechen, wo der Unterschied zwischen einer Bio- und einer konventionellen Kartoffel liegt. Welche alten Sorten es gibt und dass Kartoffeln auch lila oder rot sein können. Und schließlich, dass es fest kochende und mehlig kochende Kartoffeln gibt.

Auch die Kartoffel sollte allerdings nicht nur theoretisch erkundet werden, sondern auch gekostet. Die Kinder sollten eine Vorstellung davon bekommen, wie man Kartoffeln in der Pfanne, im Topf oder im Ofen zubereiten kann. Und vielleicht sollten dann auch selbst gemachte und tiefgekühlte Pommes zum Vergleich verkostet werden.

3// Die Wurst

Mit das heikelste Thema war die Annäherung an ein Fleischprodukt: Die Wurst. Generell war klar, dass das Thema nicht so behandelt werden sollte, dass ein Kind danach kein Fleisch mehr essen mag. Außerdem sollte es ein Produkt sein, das unabhängig von der Religion und Herkunft jedes Kind essen kann.

Da zwei Pädagoginnen aus einer Kita waren, die nächstes Jahr Hühner bekommen soll, einigte sich das Team schnell auf diese Tiere. Behandeln wollte es, wie die Tiere gehalten werden und welchen Unterschied es zwischen der Haltung in der Kita, auf dem Bauernhof und in der Massentierhaltung gibt. Auch was die Fütterung der Tiere angeht und ihre Lebensdauer – ein Huhn kann normalerweise 5 bis 10 Jahre alt werden. In der Massentierhaltung wird es jedoch nach 35 Tagen geschlachtet …

Über die Schlachtung wollte man mit den Kindern auf einfühlsame Weise anhand von Bildern sprechen, die die Kinder nicht traumatisieren. Auch der weitere Weg der Hühner sollte erkundet werden: Dass die toten Hühner abgebrüht und dann gerupft werden, bevor sie ausgenommen und in Einzelteile zerlegt werden. Von Costanza Müller kam dann noch der Hinweis, dass man an dieser Stelle auch auf die globale Problematik eingehen könnte, dass wir hier in Europa nur bestimmte Teile eines Huhns essen. Andere Teile gelangen dann beispielsweise nach Afrika und zerstören dort die regionalen Märkte.

Fazit: Essen in der Kita

Insgesamt ging die Online-Fortbildung von 14 bis 18 Uhr. Vier Stunden sind eine lange Zeit, um sie konzentriert vor dem Monitor zu verbringen. Doch die Fortbildung war so anregend und interaktiv gestaltet, dass die Zeit wie im Fluge verging. Dazu kam, dass es ausreichend Pausen und sogar Körperübungen gab, um den Kreislauf in Schwung zu halten. Der Austausch unter den Teilnehmenden war – wie meist – bereichernd. Und die Erfahrung und das umfangreiche Wissen von Costanza Müller hat geistig alle genährt!

In diesem Sinne sagen wir: Herzlichen Dank für die Fortbildung und wir hoffen, dass es weitere Online-Seminare dieser Art von den Schöpfungswochen gibt.

Bildquellen: Kartoffeln: Wikipedia, Erbsen: publicdomainpictures, Wurst: PxHere

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