Kakao macht viel Arbeit

Wir wollen faire Schokolade!

Wir wollen faire Schokolade! Das ist doch klar! Aber warum bekommen wir sie dann seit 20 Jahren nicht? Hintergrundinformationen und Aktionstipps für Erzieher*innen – nicht nur zur Weihnachtszeit!

Kakao und Schokolade sind toll. Zumindest für uns. Doch diese ehemaligen Luxusgüter sind hierzulande mittlerweile ganz schön billig. Damit das möglich ist, gibt es massive Menschenrechtsverletzungen in den Anbaugebieten in Afrika und Lateinamerika – unter anderem auch bei Kindern. Bekannt ist das seit zwanzig Jahren. Getan hat sich jedoch nichts!

Die Anbaugebiete von Kakao

Kakao ist harte Arbeit

Kakaobäume brauchen ganz bestimmte Wachstumsbedingungen. Deshalb können sie nur rund um den Aquätor in Regenwaldgebieten gedeihen. Das führt dazu, dass die Kleinbäuerinnen und -bauern Regenwald (illegal) abholzen. Schätzungen zufolge stammen inzwischen bis zu 40 % der Kakaoernte von solchen illegalen Plantagen (Mighty Earth 2017: 10). Der Anbau von Kakao ist aber auch richtig harte und langfristige Arbeit.

Bis ein Kakaobaum Früchte trägt dauert es vier bis fünf Jahre. Ab einem Alter von 20 bis 25 Jahren bringen die Bäume weniger Ertrag. Das heißt die Bauern sie müssen erneuern, um konkurrenzfähig zu bleiben. Auch die Ernte ist harte, meist manuelle Arbeit: Die Bauern müssen die Bohnen herausholen, fermentieren und trocknen – alles meist per Hand.

Kinderarbeit auf Kakao-Plantagen

Schokolade macht Hungerlöhne

Obwohl die Bauern so hart arbeiten, haben sie keinen Einfluss auf den Preis für ihre Kakaobohnen. Denn der entsteht an den Börsen in London oder New York. Außerdem sind die vielen kleinen Bauern kaum organisiert. Anders als ihre Abnehmer – die Konzerne. Sie müssen daher nehmen, was sie kriegen. Selbst wenn der Preis unter den Herstellungskosten liegt. Das führt dazu, dass sie versuchen immer billigere Arbeitskräfte zu bekommen – auch auf Kosten von Menschen- und Kinderrechten. Ja, sogar bis hin zu Kindersklaverei!

Die Abnehmer, also die Kakaoverarbeiter und Schokoladenhersteller, haben selbst so kleine Gewinnmargen in einem so hart umkämpften (Billig-)Markt, dass sie kaum Spielraum haben. Echte Lösungen kann es daher nur geben, wenn die Politik die Rahmenbedingungen für alle gleichsetzt. Dennoch kommt von der Verarbeitungsindustrie Gegenwind: Sie wollen bislang mehrheitlich keine gesetzlichen Regelungen akzeptieren.

Und das obwohl die Abnehmer der Kakaobohnen zum allergrößten Teil die westlichen Industrienationen sind. Also wir, die wir so viel mehr Geld haben und uns eigentlich angemessene Preise leisten könnten. „Insgesamt wird in Deutschland rund neun Prozent des weltweit angebauten Kakaos verarbeitet. Dies geschieht nicht nur für die Inlandsnachfrage, denn Deutschland ist Exportweltmeister von Schokolade“, schreibt Friedel Hütz-Adams, Autor der Studie „Menschenrechtsverletzungen im Kakao-Anbau“ (Inkota).

Anteil der Kakao-Bauern an einer Tafel Schokolade

Freiwilligkeit reicht nicht

Die verarbeitende Industrie ist gut organisiert. „Mittlerweile kontrollieren drei Unternehmen rund zwei Drittel der Weiterverarbeitung: Barry Callebaut, Olam und Cargill“, so Friedel Hütz-Adams und ergänzt: „Sechs Unternehmen verbrauchen knapp die Hälfte der Kakaoernte: Mondelez International, Nestlé, Mars, Hersheys, Ferrero und Lindt & Sprüngli (Fountain/Hütz-Adams 2018: 47)“.

Möglicherweise führt genau diese Konzentration dazu, dass der Anteil der Kakao-Bauern an einer Tafel Schokolade zurückgeht: Er liegt laut Studie nur noch 4 bis 6 %! Damit die Kakao-Bauern und -Bäuerinnen einen existenzsichernden Lohn bekommen, müsste sich dieser Anteil verdrei- oder vervierfachen. Das schätzte zumindest Barry Parkin auf der World Cocoa Conference 2016, der damals für den weltweiten Einkauf von Kakao für Mars verantwortlich war.

Lieferketten im Kakao-Handel

Dennoch reagieren weder Regierungen noch Unternehmen. Bislang konnten die Konzerne Gesetze verhindern, indem sie freiwillige Selbstverpflichtungen eingingen. Doch die müssen, fast zwanzig Jahre später, laut der oben genannten Studie von Inkota als gescheitert angesehen werden.

Mit Kindern reden

Es sollte nicht nur uns Erwachsene erschrecken, auf wessen Kosten wir uns die billige Schokolade schmecken lassen. Wir sollten auch mit unseren Kindern darüber reden, auch wenn das Thema schwierig ist. Etliche Kitas habe mit Projektwochen rund um das Thema „Schokolade“ bereits bewiesen, dass eine solche Auseinandersetzung möglich ist.

Gerade vor Weihnachten könnte das Thema deshalb ja vielleicht auch in Ihrer Kita eine Rolle spielen. Im folgenden Kasten finden Sie eine Reihe von Links zu weiteren Hintergrundinformationen sowie zu Ideen für Projekte, Theaterstücke und Spiele zum Thema „Faire Schokolade“ in Ihrer Kita.

Wir wünschen viel Spaß und würden uns freuen, wenn Sie uns von Ihren Schoko-Projekten berichten. Schreiben Sie dazu einfach einen Kommentar unter diesem Beitrag oder schicken Sie uns eine Email!

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Links zum Thema

Bild-Credit: Das Foto ganz oben stammt von Tereza Hronová. Alle Bilder via © INKOTA, Make Chocolate Fair

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