Erzieher_in mit Fernweh?

Erzieher_in und nun? Natürlich kann man bis in die Rente arbeiten und vielleicht auch die ein oder andere tolle Fortbildung besuchen. Aber man kann ja auch die Koffer packen und zwischen 6 und 12 Monaten ins Ausland gehen!

Ich selbst bin gelernte Erzieherin und habe viele Jahre in einer Kita gearbeitet. Doch vor mehr als 6 Jahren entschied ich mich, meinen Kindergarten für ein Jahr zu verlassen und einen entwicklungspoltischen Freiwilligendienst in Indien zu absolvieren. Ich wollte raus aus der gewohnten und vertrauten Umgebung, hinein in eine andere Welt. Für mich persönlich kam nur das Freiwilligenprogramm der Evangelischen Mission in Solidarität (ems) in Frage.  Also habe ich im Januar 2010 ein Info-Seminar besucht, mich danach beworben und – was für ein riesen Glück – eine Zusage für Indien erhalten.

Mein Abenteuer

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Selfie der schönsten Zeit des Tages

Anfang September 2010 war es dann soweit und ich reiste mit weiteren 6 Freiwilligen in den Süden des Subkontinents. Die ersten 6 Monate durfte ich in Thiruvananthapuram, der Hauptstadt des Bundesstaates Kerala, in einer Einrichtung für körperlich beeinträchtige Kinder und Jugendliche mithelfen, bevor ich nach der Halbzeit aufbrach und in den Bundesstaat Andhra Pradesh, in die Millionenstadt Vijayawada reiste, wo ich dann die letzten 6 Monate meines Aufenthaltes in einer Einrichtung für geistig beeinträchtigte Kinder und Jugendlichen meine Zeit verbrachte. In beiden Einrichtungen habe ich wochenweise entweder in den dortigen Schulklassen unterrichtet oder bei der Ergo-, und Physiotherapie oder beim Logopäden ausgeholfen. Am liebsten jedoch habe ich mit den Kindern Zeit verbracht, wenn sie Freizeit hatten und nichts für die Schule machen mussten. In dieser Zeit haben wir viel gespielt, Quatsch gemacht und gelacht.

 

Kulturschock?!

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Kinder sind eben Kinder 🙂

Ich muss schon zugeben, dass ich zu Beginn doch etwas „erschlagen“ war und einen kleinen Kulturschock erlebt hatte. Indien war einfach wie eine andere Welt für mich und ich habe ein paar Monate gebraucht, um mich dort richtig einzugewöhnen und richtig wohl zu fühlen.
Ich war schon ziemlich aufgeregt und nervös und hatte Angst, dass ich dem Ganzen in den Einrichtungen, in denen ich mithalf, nicht gewachsen bin – das alles so weit weg von zuhause und meiner Familie und Freunden. Doch ich habe relativ schnell gemerkt, dass Kinder einfach Kinder sind, egal auf welchem Fleck der Erde ich mich befinde.

In den Schulferien waren die Einrichtungen geschlossen und die Kinder und junge Erwachsene durften nach Hause zu ihren Familien, worauf sie sich jedes Mal mächtig freuten. Ich freute mich auch auf die Schulferien, denn in dieser Zeit durfte ich das große Land bereisen und machte mich in den großen Sommerferien auf den Weg in den Westen, Norden und auch Osten des Landes.

Mein persönliches Fazit

Und nun nach meinem Jahr in Indien kann ich sagen, dass mich vor allem die Arbeit mit den wundervollen Kindern und die Begegnungen mit den Menschen vor Ort am meisten bewegt, begeistert und bereichert haben. Die Gespräche, die ich mit ihnen geführt habe, das gemeinsame Lachen und auch Weinen. Es war für mich ein schönes und großartiges Gefühl die Herzlichkeit der Menschen erfahren zu dürfen. Trotz den teilweise schwierigen Lebenssituation und der Armut, die das Land umgibt, sind die Menschen freundlich, aufgeschlossen und herzlich. Sie sind in anderen Dingen so viel reicher als manch Anderer und es war für mich ein großes Glück, das ich das erfahren durfte. Indien bewegt mich heute noch immer in seiner ganzen Vielfalt, den Farben, den Gerüchen, Impressionen und Situationen, weswegen ich auch noch immer regelmäßig dort hin reise – natürlich auch, um die Einrichtungen und gewonnenen Freunde zu besuchen.

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Zu Besuch bei Freunden

Durch meine vorherige Arbeit in einer Kindertagesstätte in Deutschland, hatte ich bereits viel Kontakt zu anderen Kulturen, da wir damals vor meiner Ausreise Kinder aus 17 verschiedenen Nationen betreuten. Jedoch lernt man durch eine so lange und intensive Zeit in einem anderen Land die andere Kultur und auch die dortige Lebensweise nochmals anders und besser kennen. Mit der ems ins Ausland zu gehen, war eine der besten Entscheidungen, die ich für mich persönlich treffen konnte. Die Zeit dort veränderte ein Stück weit meine Lebensansichten, meine Werte und Normen und bereichert mich auch heute noch enorm.

Alana Wilhelm

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Das Programm

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Seit 2008 reisen jedes Jahr in etwa 3500 junge Menschen zwischen 18 und 28 Jahren über das Programm „weltwärts“ zwischen 6 und 12 Monaten in Länder des Globalen Südens aus. Der Nord-Süd-Austausch und das gemeinsame interkulturelle Lernen stehen im Mittelpunkt. Die Freiwilligen sammeln Auslandserfahrungen und erwerben Sprachkenntnisse, sowie persönliche Kompetenzen. Neben den Freiwilligen sind die mehr als 160 aktiven Entsendeorganisationen und die zahlreichen Partnerorganisationen in den Einsatzländern die Hauptakteure bei weltwärts. Sie setzen das Programm in enger Zusammenarbeit um und gestalten es maßgeblich mit. Vorbereitet werden die Freiwilligen durch Seminare vor ihrer Ausreise, vor Ort im Ausland und nach ihrer Rückkehr in der Heimat. weltwärts übernimmt den Großteil der Kosten, sodass die jungen Menschen nur noch wenig aus eigener Tasche zahlen müssen. So werden beispielsweise die Flugkosten gezahlt und die Freiwilligen erhalten ein kleines monatliches Taschengeld.

 

 

 

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