kikuna – Kinder, Kunst, Natur und Nachhaltigkeit

Kreative Ideen für die Kita: Kinder, Kunst und Nachhaltigkeit

Kreative Ideen für die Kita: kikuna steht für „Kinder, Kunst, Natur und Nachhaltigkeit“ – und für eine Kreativ-Werkstatt, die kleinen und großen Menschen zeigt, wie sie mit Fantasie, Mut und Spaß einen nachhaltigen Lebensstil üben können.

Nachhaltigkeit verbinden viele mit Verzicht, Mühe und Frust. Deshalb steht die Bildung in Sachen Nachhaltigkeit und Globales Lernen oft nicht ganz oben auf der Prioritätenliste der Eltern und Bildungseinrichtungen. Ein Grund, warum Karin Wirnsberger das vermeintlich schwierige Thema mit Kreativität, Kunst und Kultur verbunden hat.

Interview: Karin Wirnsberger über Kinder, Kunst, Natur und Nachhaltigkeit – kikunaMit Erfolg: Aus der anfangs kleinen Idee, Kinder, Kunst, Natur und Nachhaltigkeit zu verbinden, ist mittlerweile der gemeinnützige Verein kikuna (www.kikuna-welt.de) entstanden. Fünf freiberufliche Mitarbeiter*innen machen mit wechselnden Kooperationspartnern so spannende Projekte wie das „Gute Welt Theaterkunst Kinderfest“, „Nachhaltigkeit im Guckkasten“ oder die „z-boxxxx“ – eine Art Zauberkiste für Weltbeschützer und Zukunftsgestalter.

Karin Wirnsberger gibt spannende Tipps, wie Erzieher*innen in ihrer Kita kreative Methoden für das Globale Lernen nutzen können.

Warum nutzen Sie kreative Ideen und künstlerische Methoden?

Karin Wirnsberger: Wir alle wissen, dass wir heutzutage innovative und neue Ideen brauchen. Wenn wir immer weiter das Gleiche tun, gibt es keinen Wandel hin zu einer ökologischen und weltoffenen Gesellschaft. Wir brauchen Veränderungen – und Veränderungen brauchen Mut und Kreativität.

Dennoch stellen wir fest, dass Kreativität immer weiter in den Hintergrund gerät. Schon kleine Kinder verbringen sehr viel Zeit mit Dingen, die vorgefertigt sind: Sie schauen Fernsehen und spielen mit Spielzeug, das fertig aus der Packung kommt. Viele Kinder haben viel zu wenig Platz und Raum, um ihre Kreativität üben zu können. Das möchten wir ändern.

Dazu kommt, dass Kunst- und Kulturprojekte immer gleichberechtigt sind. Egal woher ein Kind kommt – es kann immer mitmachen. Es gibt keine Sprachbarrieren. Stattdessen bringt jeder seinen Hintergrund mit seinen Ideen und Werten mit ein. So können kreative und künstlerische Projekte tolle Brücken bauen und neue Zugänge schaffen.

Und schließlich hat etwas zu gestalten immer mit Selbstwirksamkeit zu tun. Das zu erleben ist für Kinder wichtig und das braucht auch unsere Gesellschaft. Dabei spielen auch die Eltern eine wichtige Rolle. Zum Beispiel, indem sie dem, was die Kinder in unseren Projekten schaffen, einen Wert geben.

Manche Kinder wollen ihre Sachen gar nicht mitnehmen und schenken es lieber uns. Wenn ich dann nachfrage, erfahre ich leider oft, dass die Werke der Kinder zuhause irgendwo verschwinden – in Schubladen oder sogar im Mülleimer. Eltern sollten sich also bewusst machen, wie wichtig ihre Anerkennung für die Kinder ist.

Was haben Sie mit Ihren Projekten schon bewegt?

Karin Wirnsberger: Eines unserer ersten Projekte, das wir bis heute fortführen, ist ein gutes Beispiel dafür, wie viel Kinder verändern können: Von April bis Oktober können die Kinder dabei Klimapunkte im Rahmen der Kampagne „Kindermeilen“ sammeln. Etwa wenn sie mit dem Fahrrad oder Bus zur Kita kommen anstatt mit dem Autor. Oder wenn sie Gemüse und Obst aus der Region kaufen. Dafür erhalten sie Klebepunkte, die wir in ein Sammelheft kleben und dann gemeinsam bei die Weltklimakonferenz übergeben.

Dabei besprechen wir auch mit den Kindern Fragen wie: Was ist das Klima und warum müssen wir es schützen? Wir nehmen uns ein globales Thema vor und erkunden gemeinsam mit den Kindern, was sie hier bei uns für den Klimaschutz tun können. Dazu gehört zum Beispiel das gemeinsame Essen. Wir veranstalten ein faires Frühstück und finden dabei heraus, woher welches Lebensmittel kommt.

Ich finde es grundsätzlich immer sinnvoll zu schauen, was so vor der Haustür liegt. Zum Beispiel ist toll, dass es mittlerweile kaum noch eine Kita gibt, in der nicht viele Nationalitäten versammelt sind. Erzieher*innen können die Eltern einbeziehen. Zum Beispiel können sie sie einladen, damit sie etwas über ihr Land berichten und dazu etwas Landestypisches kochen… Ich habe so schon mit zwanzig Kindern Wiener Schnitzel geklopft und ihnen von meinem Heimatland Österreich erzählt. Wir hatten einen riesigen Spaß.

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Welche Rolle spielt die Partizipation?

Karin Wirnsberger: Partizipation spielt eine wichtige Rolle. Das hat unter anderem eines unserer Projekte gezeigt, bei dem die Kinder einen Spielplatz mitgestalten konnten. Die Gemeinde wollte ihn neu einrichten. Und anstatt dies über die Köpfe der Kinder hinweg zu entscheiden, haben sie sie einbezogen.

Die Kinder sind bis heute ganz stolz darauf. Sie hegen und pflegen ihren Spielplatz und nehmen ihn ganz anders an. Bei solchen Projekten zeigt sich auch immer wieder, wie viele Ideen Kinder einbringen können – wenn man sie ernst nimmt. Das ist ganz wichtig.

Dabei kann Partizipation schon bei den kleinen Dingen des Kita-Alltags anfangen. Den sollten Kinder in kleinen und großen Dingen mitgestalten können: Zum Beispiel, was sie essen oder womit sie spielen wollen. Es ist wichtig, dass in einer Kita nicht alles schon vorbestimmt ist. Beispielsweise ist es toll, wenn die Kinder mit entscheiden können, wie ein Raum gestaltet ist.

Was können Erzieher*innen tun? Haben Sie praktische Tipps?

Karin Wirnsberger: Erzieher*innen sollten die Sinne auf jeden Fall mit einbeziehen. Das hat ganz viel mit Forschen zu tun. Kinder gestalten ihre Welt durch ihre sinnliche Wahrnehmung und Erzieher*innen sollten ihnen deshalb dafür ganz viel Platz geben.

Ein gutes Beispiel dafür ist die Reise in die Weihnachtsduftwelt, die wir in der Adventszeit machen. Wir riechen, schmecken und fühlen mit allen Sinnen Vanille, Zimt, Orangen und noch vieles mehr. Und wir entdecken mit den Kindern zusammen, wo die Dinge herkommen. Sinnliche Erlebnisse zu gestalten, ist eine wunderbare Art, wie Erzieher*innen BNE und Globales Lernen in die Kita bringen können.

Ein weiterer guter Anknüpfungspunkt es ist, die Dinge des Alltags zu hinterfragen und ihnen auf die Spur kommen. Das ist nicht nur für die Kinder spannend. Es macht auch Erzieher*innen Spaß, denn sie können dabei selbst immer wieder etwas Neues entdecken. Dabei ist nicht nur der räumliche, sondern auch der zeitliche Bezug hilfreich.

Zum Beispiel die Frage: Wie war es früher? Erzieher*innen können Großeltern einladen. Wir haben zum Beispiel einmal ein ganz schönes Projekt gemacht, bei dem die Kinder Dinge mitbrachten, die man früher verwendete: einen Dreschflegel, eine Kaffeemühle, ein Telefon mit Wählscheibe… Sie haben sich dann überlegt, wozu man das nutzt. Da sind viele lustige Geschichte entstanden.

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Müssen Erzieher*innen selbst perfekt nachhaltig leben, um Globales Lernen und BNE umzusetzen?

Karin Wirnsberger: Wenn es um das Thema Nachhaltigkeit geht ist schon ganz wichtig, dass die Erzieher*innen sich nicht nur theoretisch damit beschäftigen. Denn Nachhaltigkeit ist nicht nur eine Frage des Faktenwissens, sondern auchvor allem der Haltung und der Werte. Erzieher*innen und Pädagog*innen müssen deshalb ihre Einstellung reflektieren. Ich kann kein Vertrauen in die Natur vermitteln, wenn ich bei jeder Spinne „Igitt!“ schreie.

Dennoch ist es genauso wichtig, dass Perfektion nicht das Ziel ist. Keiner von uns lebt hundertprozentig nachhaltig. Es geht daher eher um das Bewusstsein und die Offenheit. Und dann können sich Erzieher*innen ja auch mit den Kindern gemeinsam auf den Weg machen. Das macht im übrigen ohnehin viel mehr Spaß.

In jedem Fall sollten Erzieher*innen aber mit Offenheit und Begeisterung an das Thema gehen. Viele verbinden Nachhaltigkeit mit Verzicht. Doch das stimmt gar nicht. Nehmen wir als Beispiel das Thema Upcycling: Die kleinen Kinder machen das ganz automatisch. Sie können stundenlang mit einem Karton spielen – und was sie aus dem alles machen ist erstaunlich. Größere Kinder müssen das oft wieder entdecken.

Deshalb ist es wichtig, dass Erzieher*innen offen sind für einen neuen Blickwinkel auf Dinge, die alt sind oder vielleicht nicht mehr so doll aussehen. Für Kinder in der Kita spielt das oft nicht die gleiche Rolle, wie für uns.

Deshalb ist mein Tipp auch: Lassen Sie sich auf offene Fragen ein. Philosophieren Sie mit Ihren Kindern gemeinsam. Und hören oder sehen Sie ihnen auch einfach mal nur zu. Wer Kinder als Experten wahrnimmt, von denen er etwas lernen kann, der kann auch für sich selbst ganz viele neue und spannende Perspektiven entdecken.

Was ist mit schwierigen Themen? Wie können Kinder damit umgehen?

Karin Wirnsberger: Themen wie Umweltzerstörung und globale Ungerechtigkeit gehören zu unserer Welt. Kinder kriegen sie ohnehin mit, deshalb hat es keinen Sinn, diese Themen auszuklammern. Doch Erzieher*innen sollten nicht mit Schreckensbildern oder einem erhobenem Zeigefinger arbeiten.

Sie sollten den Kindern zeigen, dass es Regionen auf der Welt gibt, wo die Menschen hungern, aber nicht die ausgemergelten Kinder selbst. Und dann ist es ganz wichtig, gemeinsam mit den Kindern Lösungen zu finden. Die Kinder brauchen die Zuversicht, dass sie wirksam sein können. Denn Kindern sind sehr sozial und gerecht. Und sie haben gute Ideen, was sie gegen Missstände tun können.

 

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10 Tipps

für Kreativität und Nachhaltigkeit in der Kita

  1. Setzen Sie sich selbst mit den Themen auseinander und reflektieren Sie Ihre Haltung.
  2. Erheben Sie keinen Anspruch auf Perfektion. Gehen Sie einfach zusammen mit den Kindern erste Schritte in Richtung Nachhaltigkeit.
  3. Bewahren Sie sich Ihre Offenheit, Begeisterung und Neugier. Staunen Sie gemeinsam mit den Kindern darüber, was es in der Welt alles gibt.
  4. Weniger ist mehr. Lassen Sie leere Ecken in der Kita. Misten Sie Ihren Tageplan aus und lassen Sie den Kindern Raum für freies Spielen.
  5. Gehen Sie mit den Kindern raus! Machen Sie Ausflüge.
  6. Nutzen Sie die Fragen der Kinder als Anlass, um selbst mit auf Entdeckungsreise zu gehen. Betrachten Sie Kinder als Experten und lernen Sie von ihnen.
  7. Philosophieren Sie mit den Kindern. Machen Sie Fantasiereisen und fragen Sie sich gemeinsam: „Was wäre wenn …?“
  8. Laden Sie Experten ein und fangen Sie dabei mit den Eltern, Großeltern oder Kita-Nachbarn an. Oft ist vor der eigenen Haustür sehr viel Interessantes zu finden.
  9. Schätzen Sie die Fähigkeit der Kinder, Dinge anders zu nutzen oder zu machen. Korrigieren Sie sie nicht, sondern schauen dahinter. Wechseln Sie gemeinsam mit den Kindern die Perspektive, zum Beispiel mit einem Rollenspiel.
  10. Nehmen Sie die Kinder ernst und beteiligen e – zum Beispiel an der Gestaltung des Kita-Alltags.

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