Fair, fair, fair sind alle meine Kleider

Wie fair und umweltfreundlich ist unsere Kleidung? Klar ist, dass sowohl Eltern als auch Erzieher*innen mehr Bewusstsein und Wertschätzung entwickeln sollten, damit die Kinder es uns nachmachen können. Erfahrungen, Tipps und Tricks für die Kita von Fräulein Möhrchen.

In meinem Privatleben beschäftige ich mich schon länger mit dem Thema Kleidung. Dass meine Kleidungsstücke nicht unbedingt ethisch korrekt sind, war mir schon klar. Doch wie schlimm die Verhältnisse in den Produktionsländern wirklich sind, hat mir erst der Film „The True Cost“ direkt und ungeschönt vor Augen geführt.

Banner The true cost

Klicken Sie auf das Bild, um die Trailer zu sehen.

 

Der Dokumentarfilm über die Schattenseiten unserer Modeindustrie wird in Deutschland immer bekannter. Doch ob sich dadurch nachhaltiges Shopping in unserer Konsumgesellschaft wirklich durchsetzt, wird sich noch zeigen. Denn faire Biokleidung zu kaufen, stellt mich als Konsumentin vor eine große Herausforderung:

Wo finde ich faire Kleidung? Was bedeutet fair dabei überhaupt? Und ist bio auch immer fair?

Während es für Lebensmittel schon klare und einigermaßen transparente Siegel gibt, muss ich mich bei Kleidung richtig auf die Suche machen. So gibt es große, bekannte Kleidungsproduzenten, die nach eigenen Angaben Kleidung aus Biobaumwolle verkaufen. Doch wer kontrolliert dies?

Außerdem ist die Produktion der Baumwolle zwar ein wichtiger, aber dennoch kleiner Teil der gesamten Produktionskette: Vom Färben und Spinnen über das Weben und Nähen bis hin zur Kleidermüllentsorgung und -verwertung gibt es viele Schritte, die wir fairer und umweltfreundlicher machen können.

GOTS-Siegel-VideoDer kurze Animationsfilm des Global Organic Textil Standard  zeigt gut und einfach, wie das GOTS Siegel funktioniert.

Faire Kleidung: Die richtigen Siegel

Ich bin bei meiner Recherche im Netz auf das GOTS Siegel aufmerksam geworden: Der Global Organic Textile Standard ist ein geprüftes Siegel, das faire und nachhaltige Kleidung zertifiziert. Für Kinder ist es tatsächlich richtig, einfach GOTS zertifizierte Kleidung zu finden. Zumindest online.

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Faire Kinderkleidung online kaufen:

 

Faire oder zumindest Biokleidung in örtlichen Bekleidungsgeschäften zu finden, war für mich jedoch nicht wirklich einfach. In einigen Läden roch die Biokleidung stark nach chemischen Zusätzen. Ich frage mich daher, ob es etwas bringt, zwar die Baumwolle biologisch anzubauen, die Kinderkleidung hinterher aber chemisch stark zu behandeln. Durch reinen Zufall fand ich bei Ernsting’s Family zumindest GOTS zertifizierte Kleidung für Babys zu kleinem Preis. Die hat sogar meinen Schnuppertest bestanden.

Weniger ist manchmal mehr

Natürlich sollte jeder selbst die Vor- und Nachteile abwägen, die für oder gegen die faire Biokleidung spricht. Für viele ist es ja auch eine Preisfrage. Doch vielleicht ist manchmal weniger auch einfach mehr. Es kommt schließlich nicht auf die Menge an Kleidung an.

Ich weiß noch, dass mein Kleiderschrank als Kind nicht voll war. Ich hatte weniger Kleidung, aber dafür habe ich jedes einzelne Teil geschätzt. Ich kann mich noch gut an meinen absoluten Lieblingspullover erinnern: Er war ein Geschenk meiner Mama und ich habe gut auf ihn aufgepasst.

Heute quillt mein Schrank über. Was wirklich darin ist, das weiß ich – um ehrlich zu sein – gar nicht so genau. Ich erlebe es in meinem Bekanntenkreis immer wieder, dass Kleidung samt Etikett in den Schrank gehängt wird und von dort ungenutzt im Altkleidersack landet.

Wertschätzung statt Masse

Dieses unbedachte Konsumverhalten erlebe ich auch schon bei Kita-Kindern. Sie ahmen unsere Wegwerfmentalität nach. Shopping-Touren gehören für sie zur Freizeitbeschäftigung inzwischen dazu. Schon die jüngsten Kinder kennen sich mit Onlineshops und der Katalogbestellung aus.

Die Kinder werfen ihre neuen Kleidungsstücke während des Kita-Alltags irgendwo hin. Wenn etwas verloren geht, ist es den Kindern oft egal – manchmal vermissen sogar weder Kinder noch Eltern die Sachen. Für mich als pädagogische Fachkraft ist im Alltag ist auch schwer auf die Kleidungstücke der Kinder einzelnen aufzupassen. Am Ende des Tages landen die Fundstücke in einer Sammeltonne und am Ende des Monats nur allzu oft im Altkleider-Container. So entsteht ein endloser Kreislauf aus verlieren, wegwerfen und neu kaufen.

Ich frage mich da manchmal: Gibt es nicht eine Möglichkeit, dies zu verhindern? Vielleicht könnten die Kinder einfach weniger Wechselkleidung in die Kita mitbringen – dafür aber die richtige zum Toben und Spielen? Vielleicht könnten die Eltern weniger Kleidung kaufen und mit ihren Kindern über die Kleidung sprechen, die sie mitbringen? Das würde unser Alltag erleichtern und bei den Kindern eine Wertschätzung ihrer Sachen fördern.

Flicken statt Shoppen?

Umweltschutz hängt nicht nur davon ab, welche Kleidung wir kaufen – sondern vor allem davon, wie lange wir sie tragen. In diesem Zusammenhang brauchen wir auch eine neue Einstellung. Ich habe mich neulich mit einer Mutter über geflickte Kleidung unterhalten. Ihre Sichtweise hat mich völlig überrascht: Sie hatte Angst, dass wir Erzieher*innen ihr Kind unordentlich und ungepflegt finden würden, wenn es geflickte Kleidung trägt.

Diesen Gedanken hatte ich so noch nicht bedacht. Es war mir gar nicht bewusst, welche Sorgen bei Eltern in Bezug auf die Kleidung ihrer Kinder vielleicht entstehen können. Ich konnte ihr versichern, dass dies für mich keine Rolle spielt, wenn ansonsten der Gesamteindruck der Familie positiv ist. So sehen es sicher meine Kolleg*innen auch.

Second Hand & Kleidertauschbörsen

Dies führt mich zum Thema Second Hand Mode. Regelmäßig stattfindende Kleiderbasare haben ja in vielen Kitas Tradition. Da sind die Kinder ein Vorbild für viele Erwachsene: Sie tragen gebrauchte Kleidung unbekümmert und gerne weiter. Auch über das Internet lassen sich wertvolle Stücke einkaufen und verkaufen, zum Beispiel über mamikreisel.de.

Dennoch sollten Eltern und Kinder auch hier nicht in einen Konsumrausch verfallen. Bei Kleidung zum kleinen Preis neigen wir doch fast alle dazu, mehr zu kaufen als tatsächlich nötigt. Doch braucht das Kind wirklich zwanzig T-Shirts – nur weil jedes nur einen Euro kostet? Auch beim Second Hand ist weniger mehr. Schließlich wurde auch diese Ware vor nicht allzu langer Zeit produziert und muss sie schließlich wieder entsorgt werden. Der Anteil an Kleidermüll nimmt ebenfalls immer mehr zu.

Ein neuer Second Hand Trend sind sogenannte Kleidertauschbörsen. Meist sind sie für Erwachsene gedacht – doch das Prinzip lässt sich auch von Eltern in Kitas organisieren: Jeder bringt Kleidung mit, die er oder sie nicht mehr braucht und tauscht diese gegen andere Kleidung, die einem gefallen und die man benötigt. Ein einfacher Weg, um kostenlos an neue Kleidung zu kommen und jedes Kleidungsstück länger zu nutzen.

Faire Kleidung in der Kita thematisieren

Ich finde es schwierig das Thema „faire Kleidung“ mit Kindern in der Kita zu thematisieren. Für sie ist das noch weiter entfernt, als für uns Erwachsene. Eine Idee ist jedoch, ein Sachbuch über die Konsumgüter unsere Gesellschaft für die Kita-Bibliothek anzuschaffen. Denn meiner Erfahrung nach lassen sich Kinder gerne Sachbücher vorlesen oder setzen sich selbst mit den Inhalten auseinander.

Mit einem Buch können sich die Kinder selbständig mit dem Thema Kleidung auseinandersetzen. Mir gefällt besonders das Buch „Wo kommt das her“ vom Compact Verlag. Es erklärt und illustriert viele Produkte des Alltags kindgerecht und gut verständlich. Auch wenn die Altersempfehlung des Buches eigentlich ab acht Jahren ist, eignet es sich meine Meinung nach auch schon für Kita-Kinder.

Welche Erfahrungen haben Sie im Kindergarten in Bezug auf Kleidung gemacht? Hinterlassen Sie hier einen Kommentar, schreiben Sie uns eine E-Mail oder posten Sie auf unserer Facebook-Seite. Wir freuen uns auf Ihre Meinung!

Vielen Dank im Voraus,
Ihr Fräulein Möhrchen

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Über die Autorin

Kolumne von Frau Möhren: Faires Spielzeug in der KitaFräulein Möhrchen ist 31 Jahre alt und seit 3,5 Jahren Erzieherin in einer Kita. Genauso lange nimmt sie an der modularisierten Ausbildung zur Fachkraft im Situationsansatz teil. Ihr Anerkennungsjahr leistete sie an der GS Pestalozzischule. Sie ist staatlich anerkannte Zierpflanzengärtnerin, war drei Monate als Öko-Jobberin in Portugal sowie als freie Mitarbeiterin und Waldpädagogin im Pfälzer Wald unterwegs, wo sie Kurse begleitete und leitete. Sie bloggt für ein bewusstes Leben unter www.fraeuleinmoehrchen.wordpress.com.

Aktionsideen zum Thema Kleidung

Aktionsideen zum Thema Kleidung finden Sie in der Broschüre „Kita Global“ des Wissenschaftsladens Bonn e.V. und in der Praxishilfe für Erzieherinnen „Auf der Spuren der Zukunft“ der Gesellschaft für solidarische Entwicklungszusammenarbeit MV e. V.

Klicken Sie auf die Bilder, um bei den Praxishilfen zu stöbern.

Kita Global Broschüre mit Praxisideen

Kita Global

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Auf den Spuren der Zukunft

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